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Das Kollektiv Dezember ’89

Hier im Gasthof zum Widder arbeiten wir als Kollektiv. Wie wir diesen Laden führen wollen entscheiden wir gemeinsam. Kein Chef und keine Chefin entscheidet über unsere Köpfe hinweg und eignet sich den zusammen erwirtschafteten Gewinn persönlich an.


Der Konsens, wie wir zusammenarbeiten wollen, muss immer wieder von neuem erarbeitet werden.
Das Arbeiten in einem Kollektiv hängt auch mit unserem politischen Verständnis zusammen, in einer Welt leben zu wollen, die sich von der kapitalistischen Gesellschaft verabschiedet.

Wir wollen, dass sich die Menschen in unserer Beiz in einer freien und respektvollen Umgebung bewegen können, unabhängig von Sexualität, Geschlecht und Herkunft.
Weil wir wissen, dass es kaum noch nichtkommerzielle Orte gibt, besteht bei uns kein Konsumzwang und die verschiedenen Konzerte von Schweinerock über Punk und HipHop bis  elektronischer Hüpfmusik verstehen wir als unseren Beitrag zur Gegenkultur und sind gratis.

Gründung Genossenschaft zum Widder

Ende 1980 anfangs 1981 war der Widder zu verkaufen, da die bisherigen Betreiber aufhören wollten zu beizen. Damals hatten sich einige jungen WinterthurerInnen zum Ziel gesetzt, die Beiz wenn möglich zu übernehmen. Sie  bemühten sich, Geld dafür zu suchen. In einigen Wochen gelang es Ihnen, die nötigen Finanzen aufzutreiben – das waren einige hunderttausend Franken für Anteilscheinkapital und Darlehen. Der Kaufpreis betrug sfr. 750‘000, zudem war mit Umbaukosten von etwa einer Million zu rechnen. Das nötige Geld kam zusammen – nebst dem Anteilscheinkapital und den Privatdarlehen mit  einer Hypothek der Zürcher Kantonalbank.

Im März 1981 wurde die Genossenschaft zum Widder im Säli des Restaurants Salmen gegründet. Nach dem Kauf wurde ein Umbauprojekt geplant und eine Baubewilligung eingegeben. In der Phase bis der Widder umgebaut werden konnte, gab uns die Stadt eine Bewilligung, die bisherige Beiz weiter zu führen, was für die Genossenschaft wichtig war, da wir ohne diesen provisorischen Betrieb hohe Kosten ohne Einnahmen gehabt hätten.

Das erste Kollektiv hat also schon vor dem Umbau mit wirten begonnen. Nach dem Umbau gab es bis 1986 wechselnde Kollektive, mit nicht allzu guter Bezahlung. es wurde damals  in den oberen beiden Stockwerken des Hauses die 8,5-Zimmer WG-Wohnung vom kollektiv bewohnt ,  – miteinander Arbeiten und Wohnen war die etwas zu idealistische Devise.  Die änderte aber mit der Zeit.  Das letzte dieser Kollektive war eine komische Sekte aus Süddeutschland, die etwas mit eine Gruppierung zu tun hatte, die sich „Bauhütte“ nannten. Sie versuchten ständig unter den Gästen Mitglieder für ihre Gruppierung zu finden (das war ihnen wichtiger als z.b. zu Kochen).

 

Das passte vielen Gästen nicht, es gab BenützerInnenversammlungen. Die Folge aus diesen BenützerInnenversammlungen war dann auch, dass die Verwaltung diesem Kollektiv kündigte und neue Pächter suchen musste. Leider fand die Verwaltung damals kein neues Kollektiv  sondern einen tibetischen Pächter. Da aber in den Statuten stand, die Beiz müsse von einem Kollektiv geführt werden, musste die Verwaltung die Statuten in dem Sinne ändern, dass neu drin steht „…der Widder muss möglichst von einem Kollektiv geführt werden..“. Da aber auch noch in den Statuten stand, für eine Statutenänderung müsse ein Drittel der Genossenschafter zustimmen –  also nicht ein Drittel der Anwesenden, sondern ein Drittel aller GenossenschafterInnen – mussten mensch auch diesen Passus noch ändern. Dieser Artikel war natürlich schwierig, da je länger die Genossenschaft existierte –desto schwieriger wurde es, überhaupt einen Drittel der GenossenschafterInnen an eine GV zu bringen. Also haben wurde auch gleich diesen Passus dahingehend geändert, dass es heisst künftig müssen zwei Drittel der anwesenden GenossenschafterInnen einer Statutenänderung zustimmen.

Mit viel Mühe brachten mensch diesen Drittel damals zustande – am gleichen Abend wurde im Restaurant Strauss die Hard AG gegründet. es fehlten für die erwähnte Statutenänderung noch etwa fünf Leute, die wurden dann aus dem Strauss geholt und so die Statutenänderung durchgebracht. Also hat ab Frühjahr 1987 ein Pächter den Widder übernommen. Er hat die Beiz erfolgreich geführt  und mit seinem Team den Umsatz markant erhöhen können.

 

Nach zwei Jahren hatte er aber die Nase voll und wollte aussteigen, sein Pachtvertrag ging aber über fünf Jahre und sein Team hatte Lust, die Beiz als Kollektiv zu übernehmen. Also hatte der Pächter der Verwaltung vorgeschlagen,  ihn aus dem Vertrag zu entlassen und mit seinem Team als  Kollektiv einen neuen  Vertrag ab zuschliessen.

Eigentlich hat das Kollektiv die Beiz am 1. März 1989 übernommen und der Name sollte auch  „Kollektiv März 1989“ lauten. Da aber die Anwältin, welche die Gründung hätte vornehmen sollen, den Gründungstermin verschlammt hatte, wurden  die ersten Monate des Restaurant Widder noch nicht als Kollektiv gearbeitet und  die Gründung  wurde dann erst gegen Ende 1989 vorgenommen, weshalb das Kollektiv heute „Kollektiv Dezember 89“ heisst.

 

 

Fotos von unseren Gästen

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